„Starke Schulen“ in Hamburg
Schulen werden für herausragende Berufsqualifizierung
ihrer Schüler ausgezeichnet.
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Droht das Chaos in der Schulbibliothek?

von Carsten Vitt aus Eimsbüttel

Sie wollen ihn in ihrer Mitte behalten: Ehrenamtliche Lesepaten an der Ida-Ehre-Schule kämpfen um die Stelle von Bibliothekar Patrick Katzer (Mitte). Sein Vertrag läuft im Juli 2012 aus. Die Lesepaten befürchten, dass die Bibliothek ohne eine professionelle Leitung verwahrlost. Foto: cv

Stelle des Bibliothekars an der Ida-Ehre-Schule wird gestrichen – Lesepaten sind entsetzt
Sie nennen sie eine „stille Oase“: Die ehrenamtlichen Lesepaten an der Ida-Ehre-Schule sind begeistert von der Bibliothek in der Eimsbütteler Stadtteilschule. Und voll des Lobes über die Arbeit von Bibliothekar Patrick Katzer. Doch nächstes Jahr könnte er weg sein: Im Juli endet sein Vertrag. Was dann? „Wenn die Bibliothek nicht mehr gut betreut wird, wird sie verwahrlosen“, befürchtet Helga Effinger. Sie und die anderen zwölf Lesepaten fordern, dass die Stelle erhalten bleibt.
2010 begann Katzer seine Arbeit in der Bogenstraße. Im Rahmen eines Modellversuchs wurden an der Ida-Ehre-Schule und an acht anderen Schulen in Hamburg moderne Bibliotheken eingerichtet. Besonders Kinder aus bildungsfernen Schichten sollten sich so die Welt des Lesens erschließen. „Für viele Kinder gehören Bücher nicht zum Alltag, hier können sie das selbstverständlich lernen. Das ist unverzichtbar!“, sagt Gabriele Masterson. Wichtig sei dabei vor allem, dass sowohl Schüler wie auch Lesepaten jemanden wie Bibliothekar Katzer haben, der sich auskennt.
Von den etwa 900 Schülern an der Bogenstraße sind 530 angemeldete Nutzer in der Bibliothek. In den Pausen ist viel los, etwa 80 Schüler leihen sich täglich Bücher aus, so Katzer.
Seine Stelle war von vornherein befristet. Doch wo das Geld herkommen soll, um den professionellen Betrieb aufrecht zu erhalten, ist unklar. Lässt die Schulbehörde ein von allen Seiten gelobtes Modellprojekt den Bach runtergehen? Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde (BSB), beschwichtigt:„Uns ist sehr daran gelegen, diese Bibliotheken weiterzuführen.“ Denkbar wäre, dass die Schulen den Betrieb aus ihren Honorarmitteln bezahlen, ebenso ein Engagement von Sponsoren oder Bücherhallen. Das Problem: Gesteht die BSB den Modellschulen ihre Bibliothek dauerhaft zu, könnten auch alle anderen Schulen darauf pochen. Und dafür fehle das Geld.
Die Lesepaten blicken weiter mit Sorge auf das nahende Aus: „Den Wissendurstigen wird die Oase gestrichen“, sagt Dietmar Helle.
Zahlen zur Bibliothek:
Etwa 3.700 Medien, 530 von 900 Schülern der Klassen 5 bis 10 sind Nutzer der Bibliothek. Diese wurde 2008 eingerichtet und zunächst von Lehrern betreut. 2010 wurde die Bibliothekarsstelle geschaffen. Ebenfalls seit 2008 gibt es einen Leseclub als kleinen Ersatz für die damals aus den Grindelhochhäusern abgezogene Kinderbibliothek. Der Leseclub ist nicht bedroht, versichern die Bücherhallen.
1,3 Millionen Euro hat die Schulbehörde (BSB) für Umbau und Anschaffungen der hamburgweit neun Modellbibliotheken ausgegeben – dazu kommen die Honorarkosten für die Bibliothekare. Zum Start 2009 hieß es noch, dass dieses Projekt 2012 ausgeweitet werden soll. Davon ist nun offenbar keine Rede mehr.
Dabei belegen Zwischenberichte laut Bücherhallen einen „außerordentlichen medienpädagogischen Erfolg“

Siebtklässler der Ida-Ehre-Schule putzen Stolpersteine
Stolperstein-Aktion der 7b
EIMSBÜTTEL Mit. 18. MAI 2011

Wir schreiben für das Hamburger Abendblatt
Klasse 9c: Luisa Aissen, Parmis Alipour, Kimiya Aminy-Ramkohi, Joanna Bauer, Henri Brüchert, Daniel Ebrahimi Trias, Lotte Klein, Mayen Ekpa, Dante Grabowski, Juliane Iwen, Viviane Kateb, Hediye Kuru, Jennifer Merino-Cobeña, Abigail Mohr, Malek Mokni, Henriette Rehn, Annabell Rimo, Zoe Südecum, Bronagh Teichler, Mohamed Ziane;
Lehrer: Kerstin Giese, Fritz Güse-Kerkmann  - 20. November 2010, 08:24 Uhr

"Tagesschau"-Sprecherin tanzt mit Hamburger Schülern
Linda Zervakis übernimmt Schirmherrschaft für Projekt

Eimsbüttel. "Hut ab, das ging ja gut ab!", lobt Linda Zervakis die Kinder lachend. Gerade hatten die Fünftklässler aus der Ida-Ehre-Gesamtschule der "Tagesschau"-Sprecherin vorgeführt, was sie bisher beim Tanz-Projekt "Step by Step" gelernt haben. Angefeuert von lauter, rhythmischer Musik und Choreografin Cornelia Maier waren sie gesprungen und gerannt und hatten verschiedene Bewegungsabläufe integriert. Jetzt sitzen sie ausgepowert vor der 35-jährigen Journalistin, die als Kind griechischer Gastarbeiter in Harburg aufwuchs und jetzt die Schirmherrschaft für "Step by Step" übernommen hat. "Musik und Tanz fördern den Zusammenhalt", begründet Linda Zervakis ihr Engagement. "Die Kommunikation funktioniert über Bewegung, Musik ist die Brücke, die sie verbindet." Das habe sie früher als eher schüchterne Schülerin selber erlebt. "Mein Ventil war damals Jazzdance."

Seit vier Jahren gibt es das Projekt "Step by Step" von der BürgerStiftung Hamburg und die Unternehmergesellschaft "unecco - Management städtischer Kultur", das möglichst vielen Hamburger Schülern über den Tanz einen Zugang zu Kunst und Kultur verschaffen will. Unter Anleitung von fünf professionellen Choreografen haben bislang mehr als 1100 ein ganzes Schuljahr lang Körper- und Rhythmusgefühl trainiert, Bewegungsabläufe und Choreografien einstudiert, aber auch Konzerte und Theater besucht. "Das Finale ist eine große Aufführung im Ernst-Deutsch-Theater", sagt "Step by Step"-Projektleiterin Julia Eplinius, 31. "Da ist es wichtig, dass vorher alle Schüler schon einmal in einem Theater gewesen sind." Aktuell machen 230 Schüler aus zehn Klassen mit, deren Schulen meist in sozialen Brennpunkten liegen. Weil sich die Schülerschaft der Ida-Ehre-Gesamtschule aus 40 Nationen zusammensetzt und das Einzugsgebiet riesig ist, gehört auch die Schule im eher gutbürgerlichen Eimsbüttel dazu.

"Während des Projekts lernen die Kinder, Kritik zu üben, ohne andere zu verletzen; aber auch, Kritik einzustecken, ohne verletzt zu sein", sagt Julia Eplinius. Außerdem bekämen dort auch schwächere Schüler die Gelegenheit, sich zu profilieren. Ein wesentlicher Aspekt bei "Step by Step" sei, auch die Klassenlehrer miteinzubeziehen. "Sie sind das ganze Projekt über dabei und bekommen so die Möglichkeit, ihre Schüler einmal anders wahrzunehmen"

Linda Zervakis weiß, wie wichtig Impulse von außen für die Entwicklung von Kindern sind: Sie lernte die deutsche Sprache von einer Tagesmutter, während ihre Eltern im eigenen Kiosk arbeiteten. "Für mich war es immer wichtig, genauso gut Deutsch zu sprechen wie meine deutschen Mitschüler", sagt sie. Mit ihrer Schirmherrschaft wolle sie Kindern ermöglichen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Die BürgerStiftung freut ihr Engagement. "Menschen wie Linda Zervakis sind ein wichtiges Vorbild für unsere Projekt-Kinder", sagt eine Sprecherin.(fru)

19. November 2010, 07:12 Uhr