Besuch der SchülerInnen des Tadeusz-Czackiego-Lyceums aus Warschau
Als am frühen Abend des 30.8. der Zug mit den polnischen Gästen im Hamburger Hauptbahnhof einfuhr, war doch alles etwas anders als im Vorjahr in Warschau bei der für viele aufregenden Erstbegegnung mit den unbekannten PartnerInnen: der Hamburger Himmel hatte sich zu einer milden halbsommerlichen Beleuchtung aufgeschwungen, der Zug kam (wir sind in Deutschland!) ein wenig verspätet und fast alle kannten ihr Gegenüber, das sie auch problemlos wiedererkannten, da zumindest einige das Jahr über Kontakt gehalten hatten, ja sogar nach Warschau gefahren waren. Bevor alle zumindest zum Gepäckabstellen zu sich nach Hause fuhren, wurden Verabredungen noch für den Abend getroffen.
Ab Dienstag (31.8.10) lief ein gut gefülltes Programm, mit Begrüßung und Frühstück in der Pausenhall der Oberstufe, dann Verteilung der Projektthemen und anschließender Stadtrundfahrt auf Rädern („verkehrssicher“ sollten sie sein – was für manche Anlass zu launiger Interpretation zu sein schien; Frau Lisowska musste sich ihrerseits ans Radeln erst wieder gewöhnen...). Es ging schließlich kreuz und quer erst durchs Schanzenviertel, dann durch die Innenstadt und die Hafencity, so dass am Michel nicht mehr alle die Energie hatten, den Turm zu erklimmen (und auch die Wundermittel des kecken „Gewürzmuseums“ weckten nicht mehr alle Lebensgeister).
Der Mittwoch – nach einer Stippvisite im Unterricht – sah die Gruppe am späten Vormittag
in der nur teilweise geöffneten Kunsthalle, dann beim „Dialog im Dunkeln“, der nicht allen ganz geheuer war und bei der abschließenden Ruhepause im unsichtbaren Café manchen ein wenig einnicken ließ.
Donnerstag war Reisetag – nach Bremen, zunächst ins „Universum-Science-Center“, das die polnischen Gäste zu intensiveren Forschungsaktivitäten animierte als die deutschen SchülerInnen, die diese Einrichtung z.T. bereits kannten. Die Spielmöglichkeiten im Freien (raffinierte Schaukeln; Wasserhebewerke; begehbare Camera Obscura u.Ä.) begeisterte alle, so dass für die Innenstadtbesichtigung wenig Zeit blieb. Dass freie Besichtigung auch missverstanden werden konnte, zeigten die fünf Hamburger SchülerInnen, die unbedingt den „Bremer Freimarkt“ besuchen wollten, zu spät zurückkamen und ... im Besitz der Gruppenfahrkarten waren. Atemlos konnten wir schließlich doch den vorgesehenen Zug noch erreichen, der diesmal ganz pünktlich fuhr.
Am Freitag war wiederum Gelegenheit für vormittäglichen Unterrichtsbesuch, an den sich mittags eine einstündige Reise in extraterrestrische Universen im Planetarium anschloss, die sich dann – wieder im Oberstufengebäude – mit den Präsentationen zu den einzelnen Themen (wie Das Hamburg Alphabet; Hamburger Denkmäler; Gutes und Schlechtes in Hamburg) bei Kuchen und anderen Leckereien abrunden ließ. Ungelöst blieb – wie schon ein Jahr zuvor – das Warschau-Puzzle, wohingegen das Hamburg-Puzzle recht zügig zu legen war. Die nicht nur darüber mittlerweile ganz zusammengewachsene Gruppe wurde dann ins Wochenende entlassen – das allerdings nur bis Sonntagabend dauerte, an dem wir alle das Thalia-Theaterzelt in der Hafencity besuchten. Unbestritten positiv war das märchenhafte Ambiente bei einem spektakulären Sonnenuntergang an der Elbe – weniger eindeutig fiel das Urteil über das unter der Regie der Hamburger Lokalgröße Schorsch Kamerun erstaufgeführte Spektakel „Vor uns die Sintflut“: eine Produktion, die Sitzfleisch und Nachsicht verlangte, einzelne brillante musikalische und schauspielerische Leistungen bot, aber wenig Zusammenhang erkennen ließ. Wir hatten immerhin die Genugtuung einer B-Premiere beigewohnt zu haben – was aber bei weitem nicht allen Gruppenmitgliedern reichte.
Am nächsten Vormittag versammelten sich alle pünktlich am Bahnhof, pünktlich kam der Zug, der aber nicht ganz pünktlich abfahren konnte, da der Abschied herzlich und vielfältig, die letzten Verabredungen (im Herbst – zu Sylvester in Warschau!) noch nicht genau genug waren.
Im Rückblick lässt sich sagen, dass das Ziel eines – eben auch dieses – Austauschs wohl
erreicht worden ist: Begegnung zu ermöglichen, sich am Fremden reiben und erfreuen, feststellen, dass man vielleicht nicht mit jedem kann, aber doch in einer Gruppe mindestens ein neues, wichtiges Gegenüber findet – und das über manchmal spürbare Sprachgrenzen hinweg, auch wenn das Englische immer mal wieder als Notnagel herhalten musste.
Einzelne Fragen bleiben erst mal unbeantwortet: Hätte man etwa das – unbekannte – „Phaeno“-Museum in Wolfsburg oder das „Auswanderer-Museum“ in Bremerhaven ansteuern sollen? Auch wenn das „Phaeno“ nicht zuletzt architektonisch anregend ist, so spricht für Wolfsburg als Stadt nicht viel – für das Bremerhavener Museum hingegen alles. Das knappe Zeit- und Geldbudget (trotz der wie stets großzügigen Unterstützung durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk) hat diesmal Bremerhaven nicht zugelassen. Aber der Austausch geht ja – auch das ein Resultat der beiden polnisch-deutschen Wochen in den Jahren 2009 (Warschau) und 2010 (Hamburg) – weiter! Und unser Reisetagebuch incl. Fotos ist von Hannah noch fertigzustellen, digitalisiert – ganz zu schweigen vom Warschaupuzzle, das noch immer auf seine Legung wartet.
... und vor zwei Jahren
Die Ida-Ehre-Gesamtschule hat vor zwei Jahren einen Austausch mit dem Tadeusz-Czackiego-Gymnasium in Warschau (Polen) wieder aufgenommen, der von Frau Mandos und Herrn Dr. Weber betreut wird. Die Besuche finden im jährlichen Wechsel statt: Im Jahr 2005 hat eine Delegation von 16 Schülerinnen und Schülern im Herbst die polnische Hauptstadt besucht, in diesem Jahr hatten wir eine ebenso große Delegation aus Polen zu Gast.
An dem Austausch können vornehmlich die Schülerinnen und Schüler der 12. und 13. Jahrgangsstufe teilnehmen.
Die nächste Reise nach Polen findet vom 5. bis 12. September 2007 statt. Es wird zurzeit eine neue Gruppe im jetzigen Jahrgang 11 zusammengestellt.
Nähere Auskünfte können bei Frau Mandos unter fraudos@t-online.de bezogen werden.








