Ein Kunst-Schüler-Austausch im JG 10 mit dem Lyzeum 239 aus St. Petersburg/Russland
Am 28.08.2010 flogen 13 SchülerInnen des Kunstlabors aus dem Jahrgang 10 nach St. Petersburg, um an einem Kunstprojekt zusammen mit ihren Austausch-SchülerInnen und den Künstlerinnen Maria und Natalia Petschatnikov zu arbeiten. Begleitet wurde das Projekt von Frau Münther, Frau Manke und zwei Lehrerinnen aus St. Petersburg.
SERKALO ist das russische Wort für Spiegel und wurde als Thema und Metapher auf vielfältige Weise von den Jugendlichen sowohl in St. Petersburg, als auch im Rahmen des Gegenbesuchs in Hamburg bearbeitet. Es entstanden Einzel- und Gemeinschaftsarbeiten, Figuren und Objekte, die zu einer Installation zusammenwuchsen. Die SchülerInnen haben sich fotografiert und als Zoetrope- bewegte Bilder– widergespiegelt. Auf unseren Wegen durch die Stadt wurden immer wieder Spiegelungen entdeckt und fotografiert. Uns wurde aber auch bewusst, dass die Tageszeitung die Geschehnisse des Tages widerspiegelt und als künstlerisches Material zu unserem Thema passt. So entstand eine wachsende Ausstellung, die zuerst in St. Petersburg gezeigt wurde, und in ihrer Fortsetzung am Ende der Hamburger Woche in der Kunsthalle/Galerie der Gegenwart ausgestellt werden konnte.
Neben dem Kunstprojekt war das Erleben einer russischen Großstadt und das Leben in den Familien für die Jugendlichen ein prägender Teil des Austausches. Es war für Manche sicherlich nicht einfach, sich in den fremden Lebensumständen zurechtzufinden und das Wohnen, teils auf sehr engem Raum zu erleben. Doch gab es auch immer wieder Gemeinsamkeiten zu entdecken. Das gemeinsame künstlerische Arbeiten, Musik, Fußball und Gespräche bis tief in die Nacht verbinden eben immer.
Hierzu ein Erfahrungsbericht der SchülerInnen:
Am Samstag um 9:00Uhr traf sich unsere Gruppe am Terminal 1 des Hamburger Flughafens, um nun endlich loszufliegen. Wir waren alle sehr gespannt und auch aufgeregt, da wir einzig die Namen unserer Gastgeschwister kannten. Der Flug dauerte nur 2 Stunden, wir kamen der Zeitverschiebung wegen aber erst um 15:00Uhr in St. Petersburg an, und wurden mit Namensschildern von unseren Gastfamilien herzlich empfangen. Es war ein seltsames Gefühl mit der fremden Gastfamilie nach „Hause“ zu fahren.
In den folgenden Tagen waren Aktionen angesagt: Wir hatten jeden Tag von 9-15Uhr „Schule“. In der Schule haben wir an unserem Kunstprojekt gearbeitet und beispielsweise eine Brunneninstallation aus Draht, Pappmaché und CD- Scherben gebaut, unseren Körperumriss als Drahtfiguren geformt und Fotos von Spiegelungen gemacht. Danach sind wir alle zusammen zu Sehenswürdigkeiten gefahren, oder gegangen. Wir haben uns beispielsweise den Peterhof und die Eremitage (ein weltbekanntes Kunstmuseum) angeschaut. Danach hatten wir immer Freizeit und sind in kleinen Gruppen den Nevskij-Prospekt, eine der Haupteinkaufsstraßen entlang spaziert.
Am Freitag stellten wir dann unseren Gast-Familien unsere Ergebnisse des Kunstprojektes, in das wir viel Mühe und Freude gesteckt haben, vor. Eine Stunde lang haben die Lehrer, wir und der Schulleiter Vorträge über das Projekt und den Schüleraustausch gehalten. Die Eltern waren beeindruckt von unseren Ergebnissen und stellten uns sogar noch die eine oder andere Nachfragen. Am Ende dieser aufregenden Woche hatten wir unsere Familien, trotz der Sprachschwierigkeiten in unsere Herzen geschlossen.
Der letzte Tag bestand aus frühem Aufstehen, von unseren Familien verabschieden, zum Flughafen fahren, und sich noch mal von allen zu verabschieden. Im Flugzeug war gemischte Stimmung. Wir waren erschöpft von den Eindrücken und erstmal froh wieder nach Hamburg zu fliegen, aber trotzdem traurig, weil wir wussten, dass wir unsere russischen Familien wahrscheinlich nie wieder sehen würden. Am Flughafen wurden wir alle freudig von unseren Familien und Freunden empfangen, die natürlich ganz genau wissen wollten, wie es uns in dieser Woche ergangen ist.
Zwei Wochen danach, vom 18.- 25. September, konnten wir die Gruppe aus St. Petersburg dann bei uns begrüßen. Zu der Gruppe der Austausch- SchülerInnen kamen jetzt noch 9 weitere SchülerInnen hinzu.
Die russischen Jugendlichen hatten die meisten Kunstwerke tatsächlich mitgebracht, sodass wir an unserem Thema weiterarbeiten und es ergänzen konnten. Neben dem Kunstprojekt haben wir unseren Gästen natürlich auch Hamburg gezeigt. Gleich am zweiten Tag konnten die St. Petersburger eine Hamburger Leidenschaft, dass Fußball-Derby St. Pauli – HSV und die Stimmung in der Stadt, miterlebt. Die Abendveranstaltung im Planetarium und die Führung „Dialog im Dunkeln“ konnten wiederum als Erfahrung und Inspiration in das Kunstprojekt miteinfließen.
Eine weitere Herausforderung war für die Hamburger Jugendlichen die Mitgestaltung der Projektwoche. Kleinere Aufgaben, wie ein Salat-Buffet zu organisieren, die eigene Kunst vorzustellen, Texte zu schreiben oder eine Führung durch Lübeck auszuarbeiten, haben die SchülerInnen in ihrer Selbstorganisation bestärkt.
Für uns alle war die Ausstellung am Donnerstag Abend in der Galerie der Gegenwart ein bedeutendes Ereignis, auf das wir lange hingearbeitet haben. Dass die Ausstellung dann von vielen Eltern, Freunden, Kollegen und der Schulleitung so gut besucht wurde, hat uns umso mehr gefreut!
Eine von den Eltern organisierte Abschlussfeier mit internationalem Buffet und Musik hat den Austausch dann am Freitag Abend stimmungsvoll beendet. Und die SchülerInnen waren sichtlich froh nochmals bis ins Dunkel hinein zusammen Fußball zu spielen.
Carolin Franzke, Lotta Helle, Johanna Lemcke, Nana Oduro-Opuni, Maike Röhm, Lucie Rook, 10a und Angela Münther










