Von Hamburg bis Kopenhagen: „Global denken – lokal handeln“ im Geographieprofil
Unter dem Motto „Global denken – lokal handeln“ startete unser Geographieprofil im letzten Schuljahr in seinen Pionierdurchgang an der Ida Ehre Gesamtschule. Zusammen mit den Fächern PGW (Politik/Geschichte/Wirtschaft) und Biologie begaben wir uns (24 Schülerinnen und Schüler sowie Herr Mohr und Frau Haack) auf den Weg fächerübergreifendes Arbeiten in Bezug auf das Hauptfach Geographie stärker zu praktizieren und an außerschulischen Orten erfahrbar zu machen.
So sollten die vermittelten Semesterinhalte nicht nur theoretisch im Unterricht aufeinander bezogen werden, sondern da, wo sich die Gelegenheit bot, auch der schulische Rahmen verlassen werden und die Öffnung des Unterrichts z.B. in Form von Exkursionen, Projekten und ExpertInnengesprächen praktiziert werden.
Begünstigt durch die Rückkehr zum geschlossenen Klassenverband erschien uns das Profil hierfür wie geschaffen, neben den gelernten Inhalten auch Handlungsoptionen in Bezug auf ein nachhaltiges Agieren außerhalb der Schule aufzuzeigen und Kontakte zu lokalen Initiativen aufzubauen. So fuhren wir gleich zu Beginn des ersten Halbjahres für drei Tage nach Sylt, um uns in enger Kooperation mit den Fachleuten der Schutzstation Wattenmeer dem Semesterthema „Ökosystem Weltmeer – Raum zum Leben“ praktisch zu nähern. Watterkundungen mit professioneller Führung, Strandexkursionen, Referate vor Ort und Nachtwanderungen ermöglichten ein Lernen mit allen Sinnen, bei dem der Spaß nicht zu kurz kam und die Klasse zu einer Gemeinschaft werden ließ. Dies ergab auch die Evaluation, die teilweise selbständig von den Schülerinnen und Schülern durchgeführt wurde.
Durch einen Fachvortrag von Dr. Michael Link (ZMAW, Universität Hamburg) wurde im fortlaufenden Semester besonders der Bereich der Überfischung der Weltmeere vertiefend aufgegriffen und dabei die enge Verzahnung zwischen den biologischen Grundlagen in Form von Fischnahrungsketten und der globalen industriellen Fischereiwirtschaft verdeutlicht. Den inhaltlichen Abschluss des ersten Halbjahres bildete der lokale Konflikt um die Elbvertiefung. Hierzu knüpften wir Kontakte zur Initiative Rettet die Elbe e.V. und besuchten bei ihnen (allerdings aufgrund des schlechten Wetters erst im März) eine Alternative Hafenrundfahrt zu der Thematik. Das Geleistete stellten wir mithilfe von Plakaten und Beamer zum Abschluss des Semesters im Rahmen einer Austellung den Schülerinnen und Schülern der zukünftigen Oberstufenprofile vor.
Das zweite Halbjahr stand ganz im Zeichen der Thematik „Stadt – Raum zum Leben“, die wir alle ja im alltäglichen Leben in Form von Umstrukturierungen, Stadtentwicklungen, Mieterhöhungen, Bauprojekten usw. in den jeweiligen Stadtvierteln erleben. Nach ersten gemeinsamen Begehungen in Wilhelmsburg, wo der Kurs Kartierungen und Interviews durchführte, erstellten die Schülerinnen und Schüler in Gruppen eigenständige Exkursionen durch Hamburger Stadtteile wie die Schanze, St.Pauli, Hafen City und Steilshoop. Dabei war es Bestandteil der Aufgabe, Kontakt zu lokalen Initiativen aufzunehmen (z.B. Initiative im Gängeviertel, St.Pauli Archiv, Behörde für Stadtentwicklung usw.), die Menschen vor Ort zu konkreten Themen wie z.B. der Gentrifizierung in ihrem Viertel zu befragen und die Ergebnisse der Gesamtgruppe zu präsentieren. Dies gelang den Schülerinnen und Schülern insgesamt gut, auch wenn die stadtökologischen Aspekte nicht immer die ausreichende Berücksichtigung in den Darlegungen der Gruppen erfuhren.
Absolutes Highlight, nach aufwendig-engagierter Finanzierung durch Flohmärkte und Kuchenstände, stellte die fünftägige Kursfahrt nach Kopenhagen dar. Am Beispiel der dänischen Hauptstadt beobachteten wir erstaunliche Parallelen und erkannten einige Unterschiede in Bezug auf die gegenwärtige Stadtentwicklung. Neben eigenständig organisierten Erkundungen durch die unterschiedlichen Stadtteile wie z.B. Christiania und Vesterbro beschäftigte uns vor allem der Stadtteil Nörrebro, der ähnlich wie die Schanze in Hamburg eine große Aufwertung durch schickere Cafes usw. erfährt. Die damit verbundenen gesellschaftlichen Konflikte schilderte uns der Kopenhagener Buchautor und Stadtteilaktivist Tobias Alm in sehr eindringlicher Weise anhand der Auseinandersetzungen um das Jugendhaus „Ungdomshuset“, welches am Ende von der Stadt Kopenhagen abgerissen wurde. Zeit für das gemeinsame Ausgehen oder die individuelle Freizeitgestaltung blieb natürlich auch, so dass -trotz der hohen Preise vor Ort- alle etwas Persönliches aus der skandinavischen Metropole für sich mit nach Hause nahmen.
Wieder in Hamburg angekommen, bildete eine bewegende Stadtführung durch Fred vom Straßenmagazin Hinz und Kunzt zum Thema Obdachlosigkeit in Hamburg den thematischen Abschluss des Halbjahres. Wir erfuhren vieles über das Leben der Menschen, die „auf Platte gehen“ und stoppten an „Orten, die in keinem Reiseführer stehen“ (Fred). So besuchten wir z.B. den „StützPunkt“, wo obdachlose Menschen im Hamburger Zentrum ihr Gepäck lagern können. Die in Teilen emotionale Reise ließ uns Hamburg nach vorigen Besuchen in der Hafen City und Winterhude nun aus dem Blickwinkel von „unten“ erfahren. Für uns alle eine unvergessliche Erfahrung, die wir, wie so viele neue Eindrücke in diesem Schuljahr, an unserer Abendveranstaltung mit den Eltern mit einer Bildershow noch einmal Revue passieren ließen.
Terk Mohr und Theda Haack, 2011
Weitere Fragen bitte an: terk.mohr@bsb.hamburg.de






